vonAhoi

Gerade erst habe ich über das Lillestofffestival 2015 gebloggt und schon bereue ich es fast einen so kleinen und wenig tiefgründigen Artikel geschrieben zu haben. Denn kaum hatte ich den „Veröffentlichen“ Button gedrückt, musste ich bereits die ersten kritischen Kommentare in den sozialen Medien vernehmen. Nicht über meinen Artikel oder mich, sondern über das Nähen, die Nähwelt, das Festival … Allerdings nie wirklich deutlich ausgesprochen sondern eher uneindeutig eindeutig.

Das letzte Wochenende war für viele voller Erwartungen, Vorfreude und vielleicht auch ein wenig Angst, was da auf einen zukommt. Die meisten sind mit Stoff und Nähmaschine und ’ner handvoll Freunden angereist, einige sind für gebuchte Kurse dagewesen und noch wieder andere haben nur sich selbst dabei gehabt. Ich war in der glücklichen Lage, dass ich zum einen mit guten Freunden da war und zum anderen schon einige Bekannte mindestens einmal im echten Leben getroffen habe oder mit manchen so regelmäßig kommuniziere, dass eine Basis für Gespräche da ist. Ich wusste also, ich werde mich nicht langweilen und wirklich immer jemanden zum quatschen haben. Eher das andere Extrem war bei mir der Fall, dass ich nicht mit allen so viel und lange reden konnte wie ich gern wollte, weil die Zeit begrenzt war und weil ich versuchen wollte vielen gerecht zu werden.

Es haben mich auch überraschenderweise ein paar Leute angesprochen und darüber habe ich mich so gefreut. Denn seid doch mal ehrlich, wenn man eintausend oder mehr Follower/Fans/Bekannte hat in den Sozialen Netzwerken, die kann man nicht alle auf dem Schirm haben und ich hoffe dann immer auf das Verständniss der Leute. Denn es ist nicht so, dass ich jemanden nicht wahrnehme oder seine Beiträge und Arbeiten nicht schätze, aber die Fülle lässt es nicht zu jeden und alles zu kennen.

Und genau das ist es, worauf ich eigentlich hinaus möchte. Von einigen habe ich mitbekommen, dass sie sich nicht trauen jemanden wie Pamela Hiltl von Enemenemeins anzusprechen oder eine Antonia von Milchmonster oder Pauline von Klimperklein oder oder… es waren ja wirklich VIELE Designer, Ebookersteller und bekannte Blogger dabei. Auch ich habe diese Leute irgendwann einfach mal kennengelernt bzw angesprochen und mich vorgestellt. Denn selbst wenn man zB für Milchmonster  etwas Probegenäht hat, ich kann bei so vielen Leuten nicht davon ausgehen, dass sie mich auf dem Schirm hat. Wenn man ein Thema hat oder eine Frage oder vielleicht auch nur ein Foto in der Photobooth wünscht, diese Leute beißen nicht! Sie freuen sich, denn IHR seid der Grund dafür, dass sie so bekannt geworden sind. Es sind aber genauso normale Menschen wie du und ich nur vielleicht einfach etwas präsenter.

Warum nun einige enttäuscht sind und sich von der Nähwelt, dem Probenähen, dem Bloggen verabschieden? Ich weiß es nicht aber ich wünsche jedem einfach nur seinen Weg zu finden. Viele Nähen weil es Spaß macht, viele Nähen um ihrem Kind oder sich selbst mit individueller Kleidung auszustatten aber auch viele wollen damit etwas erreichen. Sei es das eigene Label bekannt zu machen, seinen Shop zu promoten oder Sponsoren zu finden ober auch einfach nur Anerkennung. Aber wie überall im Leben gibt es viele, die das Gleiche machen. Entweder man setzt sich mit irgendetwas von der Masse ab oder hat so ein gutes Gespür für Trends, dass man immer einen Schritt voraus ist.

Daher, versucht das alles nicht zu persönlich zu nehmen und steht einfach manchmal über den Dingen. Ich neige auch dazu vieles an mich ranzulassen, mir den Kopf (unnötig) zu zerbrechen und opfere daher viel Lebensenergie und lasse Nerven.

Nicht ohne Grund habe ich diesem Post einen etwas kritischen Titel gegeben, denn ich kann mich nicht bedeckt halten. Ich sehe diesen Blog nicht als (r)eine Werbefläche sondern als ein Stück von mir, ein Stück vonAhoi. Ich möchte meinen Gedanken Ausdruck verleihen auch wenn es nicht jedem passt, nicht jedem gefällt. Dann einfach weiter klicken und auf das nächste Tutorial warten.

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Eine Möglichkeit um Erlebnisse zu verarbeiten oder Ereignisse zu vertiefen war es eine Decke zu nähen – früher war das mal so. Und daher auch das Wortspiel. Denn immer wenn etwas Besonderes passiert, habe ich eine Patchworkdecke gemacht. Genau wie ganz früher, als allerdings noch viel mit Hand genäht wurde. Decken waren Herzensprojekte weil sie so zeitintensiv und materialintensiv sind. Meine erste Patchworkdecke habe ich zum allerersten Geburtstag von meinem Bärenkind gemacht und er hat sie heute noch. Sie musste immer mit, ob im Kinderwagen oder Auto oder auf Reisen. Allerdings war die damals relativ klein und es musste jetzt wieder eine neue her. ABER schon daran denken, wieviele Teile ganz genau zugeschnitten werden müssen, selbst nur bei einer einfach Decke mit Quadraten, ließen mich dieses Projekt immer wieder nach hinten hinausschieben. Um so passender fand ich es, als mich Kirsten von Makini gefragt hat, ob ich nicht mal Lust habe eines ihrer Projekte nachzunähen. Ihr Shop ist speziell auf Patchwork und DIY Projekte zugeschnitten und es gibt dort einen Patchworkkonfigurator, so dass man einfach alles beisammen hat, was man für die Decke braucht. Von den Pre-Cuts (echt, nie wieder ohne!) für das Top, die Rückseite, verschiedene Innenfutter und passende Stoffe für das Binding. Außerdem kann man dann in einem ihrer Videos Schritt für Schritt zugucken und mitmachen. Das habe ich nicht gebraucht aber besonders für Leute, die das erste Mal eine Decke nähen ist das schon sehr aufschlussreich.

Was möchte ich noch dazu sagen? Denn ich habe ja eigentlich immer so viel zu sagen… Ich erfinde die Welt nicht neu aber ein paar bekannte und weniger bekannte Weisheiten haben mir schon geholfen.

Erstens: GENAU sein, versucht wirklich immer den gleich Abstand beim zusammen nähen der einzelnen PreCuts zu finden, bei mir war es ein Füßchen breit, denn dann geht das später mit dem zusammensetzen um so besser!

Makini-naehen

Zweitens: Damit ihr eure einzelnen Teile noch besser zusammen fügen könnt, muss AUCH gebügelt werden!!! Ja, es muss leider sein! Aber bloß nicht wie bei Hemden hin und her, sondern PRESSEN! Also vorsichtig auseinandern und dann gut pressen, mit Druck und ein paar Sekunden mehr.

Makinibuegeln

Drittens: Wenn das komplette Top zusammen gefügt ist, kommt meiner Meinung nach der schwertse Teil, alle Teile auslegen und verbinden. Gut, dass ich NUR eine Kinderdecke hatte denn ich hätte eigentlich GAR keinen PLatz gehabt um alles gut auszubreiten. Die Rückseite der Decke mit rechter Stoffseite auf den Boden, dann Füllung (ich hatte Bambus gewählt, super kuschelig) und dann das fertige Oberteil drüber. Vorher war bügeln doof, jetzt ist glatt streichen doof. Aber da kommt man nicht drum herum. Alle drei Lagen immer wieder ganz glatt streichen und kontrollieren und dann gut und ausreichend FESTstecken. Am besten mit flachen Quiltnadeln, die sind besonders lang aber ich habe meine leider nicht gefunden. (Ja, aufräumen muss ich auch mal wieder!)

Makiniauslegen

Schlussendlich: Es wird von innen nach außen genäht, damit man wirklich die geringstmögliche Chance hat die Decke zu verhunzen und unliebsame Beulen zu bekommen. Ich habe einfach alle drei Lagen miteinander verbunden indem ich an den Nahtlinien entlang genäht habe. Und dann von der Mitte nach außen! Aber du kannst das natürlich auch mit Muster machen. Dann habe ICH den überstehenden Rand von der Füllung abgeschnitten damit alle drei Lagen gleich sein. UND dann…das BINDING! Was ein  Graus. Davor habe ich echt Respeckt aber es gibt ja Gott sei dank extrem viele Tutorials, jeder macht es ein bissel anders und ich habe DAS von sewhappygeek mal wieder genommen! Die dafür benötigten Streifen waren auch schon in meinem Komplettpaket enthalten.

Abschneiden

Und dann ist die Decke auch schon FERTIG! Doch fix und fertig ist auch meine Kamera! Dank Lillestoff und der glorreichen Bedienung durch mich sind meine letzten Fotos von der Kamera überspielt worden… schade…denn sonst würde ich nämlich eigentlich voller Stolz die fertige Decke in meiner cleanen Wohnung zeigen (einige erinnern sich vielleicht an den Küchenpost)… hole ich nach!!! Was aber noch ärgerlicher ist als die fehlende komplette Decke, ist die Anfassfunktion in meinem Blog (habe ich aber bei wordpress beantrage und #läuft). Denn die Decke ist nicht aus schnöder Baumwolle sondern aus gebürsteter Baumwolle und dadurch sowas von weich und kuschelig. Da ich noch ein paar Quadrate von meinem Layercake übrige habe gibt es auch noch ein passendes Kuschelkissen fürs Bärchen – oder für mich. Das kann ich dann ja mit der Decke zusammen in seinem #cleanKinderzimmer zeigen!

So, die Länge des Posts toppt mal wieder alles und ich hoffe, dass du überhaupt noch bis hierher gekommen bist. Als Schlusswort möchte ich nur sagen, ärgere dich nicht, lass nicht alles an dich ran und wenn es ganz schlimm kommt, dann näh dir ’ne Decke und spätestens wenn die fertig ist, ist alles vorbei. Ich werde mich weiterhin (nicht) bedeckt halten und einfach schreiben, was ich denke!

Unterschrift Annelie vonAhoi

Annelie

3 Comments

  1. Antworten

    Roksana

    Sep 30

    Guten Morgen,

    ein sehr guter Post. Danke dafür.

    Die Decke sieht toll aus. Bin schon auf das komplette Werk gespannt.

    LG Roksana, die leider nicht beim Festival dabei war. Nächstes Jahr aber ganz bestimmt.

  2. Antworten

    KreaMino

    Sep 30

    Liebe Annelie,

    du hast Recht, sowas von. Ich war ebenfalls aufgeregt und hab mich erst nicht getraut: „Oh Gott, was rede ich nur mit denen?“ – all sowas ging vorweg durch meinen Kopf. Und dann liefst du mir über den Weg – erkannt habe ich dich nur an deinem Shirt mit dem Ankerplott. Danach ging es wie von selbst. Es beißt wirklich keine und alle sind nett und unterhalten sich gerne. :-) Ein Grund für mich, nächstes Jahr wieder zu kommen und dann auch zwei Tage zu bleiben!
    Sehr gut gefällt mir auch deine Überleitung: der Mut etwas zu machen, was man vorher noch nie gemacht macht, spielt dabei auch eine große Rolle. Die Angst vor dem Ungewissen ist manchmal größer als uns tatsächlich bewusst ist. Aber wie hieß das noch so schön in dem Film Plötzlich Prinzessin? „Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als Angst!“
    Nur Mut
    – sich überwinden ein Projekt zu beginnen, was einem riesig vorkommt
    – neue Leute ansprechen
    – sich von etwas zu lösen
    -… man könnte die Liste um einiges verlängern…
    Danke für deinen Post und die tollen Bilder von der Entstehung der Bärenkinddecke! Sie gefällt mir ausgesprochen gut!
    Liebste Grüße
    Dominique

  3. Antworten

    Inga

    Okt 13

    Ahoi Annelie,

    der Tipp mit dem Patchworkkonfigurator ist echt klasse! Denn sind wir mal ehrlich, das Zuschneiden ist doch echt immer das Lästigste beim Patchworkdeckenmachen – super wenn man das umgehen kann! So eine Makini-Decke kommt auf jeden Fall auf meine Things-to-sew-Liste. Welche Größe hast du denn gemacht?

    Liebe Grüße,

    Inga

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